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Die
Vulkaneifel
Ihre
wichtigsten Lebensräume
Wälder und Forsten
(im
Jahre 2003 überarbeitet und ergänzt)
Die Vulkaneifel ist ein
Mittelgebirge der sub- bis eumontanen Region (siehe tabellarische Übersicht).
Die höchsten Erhebungen sind die Hohe Acht (747 m) bei Adenau, der Ernstberg
(699 m) zwischen Daun und Kirchweiler, der Scharteberg (691 m) bei Kirchweiler
und der Hochkelberg (675 m) südöstlich von Kelberg. Die tiefsten Niederungen
liegen in den Tälern zwischen 300 bis 350 mNN. Das Gebiet liegt somit in der
natürlichen Verbreitungszone der Buchen-Eichen-Hainbuchen-Mischwälder.
Erläuternd dazu wird folgende Tabelle vorgestellt.

Wie die Forstgeschichte der
Vulkaneifel belegt (Bauer 1978), und wie auch Schwind (1984, 1985) ausführlich
schildert, bestehen die naturnahen Waldgesellschaften des Gebietes aus
reinen Laubwäldern ohne jeglichen Nadelholzanteil. Im Unterdevon- und
Buntsandsteingebiet überwiegen Hainsimsen-Buchenwälder (Luzulo-Fagion) sowie
Buchen-Eichenwald (Fago-Quercetum). Auf Mitteldevon und quartärem vulkanischem
Gebiet überwiegen Orchideen-Buchenwälder (Cephalanthero-Fagion) und
Perlgras-Buchenwälder (Melico-Fageten), bzw. Waldmeister-Buchenwälder (Asperulo-Fageten).
Am Beispiel des
Kondelwaldes zeigt Bauer (1978) die Fortentwicklung der Bodennutzungsformen und
des Holzartenanteiles anhand dreier markanter Jahreszahlen:
Die
Hauptbewirtschaftungsform sei bis zum 17. Jahrhundert der Plenterbetrieb
gewesen. Aber nach Schwind (1984) habe die Eifelbevölkerung im Mittelalter
aufgrund ökonomisch schlechter Bedingungen den vorhandenen (Anm.:
- noch naturnahen - ) Wald durch Waldweide und v. a. Laubstreunutzung extrem
übernutzt, was dazu geführt hätte, dass die Waldböden verarmten. Folge davon
sei die Erfordernis des Anbauens von anspruchsloseren Nadelhölzern gewesen.
Auch die extrem ungünstigen Wetter- und Temperaturbedingungen der Vulkaneifel
werden als Grund mitaufgeführt. Schwind (1985) gibt folgende Übersicht phänologischer Daten:
So kam es schließlich
dazu, dass neben der chorologisch-soziologisch "passenden" Weißtanne
auch andere - nicht hineinpassende - Nadelholzarten wie Fichte, Lärche,
Douglasie und Kiefer angepflanzt wurden. Der Waldbau in der Vulkaneifel wurde
also in der (auch jüngsten) Vergangenheit nicht in erster Linie in
ökologischer, sondern in ökonomisch-wirtschaftlicher Hinsicht betrieben;
ökologisch-soziale Aspekte fanden nur insoweit Berücksichtigung, als sie bei
der ausgeübten Bewirtschaftungsart akzeptabel waren (Wenzel 1975). Schließlich
gewann der Nadelholzanteil das Übergewicht. Am aktuellen (1987) Beispiel des
Forstamtes Salmwald (Forstamt Salmwald, Prospekt, 1987) ergeben sich folgende
Baumartenanteile:
Mithin
besteht der naturnahe Waldanteil (^= Laubwald und Anteil Tanne) im Bereich dieses
Forstamtes nur noch aus - rein rechnerisch - 33 % des Waldbestandes, und in den anderen Forstämtern der
Vulkaneifel ist es kaum anders. Eine kontinuierliche Erhöhung der
Laubwaldanteile ist vorgesehen (Forstamt Salmwald 1987).
Was sind die Folgen dieses
unnatürlichen Waldbaues? Spätestens 1984 hatte man erkannt, dass das
Waldsterben auch die Eifel heimgesucht hatte (Wenzel 1985). Fast jährlich
fordern Herbststürme große Verluste. Insbesondere die Sturmkatastrophe vom
24.11.1984 mit einem Schadholzanfall von 250.000 Festmetern (Wenzel 1986)
stellte die Behörden, insbesondere die Forstämter, vor schier unlösbare
Probleme:
Die Aufarbeitung und der
Verkauf des Holzes konnten zwar bisher mit großer Mühe bewältigt werden, aber
der hohe Nadelholzanteil beim Schadholz gibt zu denken. Naturnaher
Wald (s.o.) war von der Sturmkatastrophe kaum betroffen!
(Siehe hierzu die
nachträgliche Anmerkung nach dem Literaturverzeichnis.)
Hat die Natur Rache
genommen, wie es Bibelriether (1982) formuliert? Oder sind die Waldschäden
wirklich nur eine Folge der industriellen Umweltbelastungen (Wenzel
1985)? Oder mangelt es diesen astlosen Stangen an der natürlichen
Widerstandskraft, weil die Forsten naturwidrig - nach Baumart und Standort
unpassend (Plochmann 1982) - gepflanzt werden, nur weil sie "wenig kosten
und viel bringen" (Bibelriether 1982)? Wo blieb die große Bedeutung des
Waldes (nicht: Forstes) für Naturschutz (Bibelriether 1983), Landespflege (Bibelriether
1982, Burschel 1982) und Gesundheit (Burschel, Bibelriether, Plochmann 1983)?
Wenn Wald, bzw. Forst in der Vulkaneifel nicht erwartungsgemäß (gewinnbringend
und erholungsfördernd) gedeihen, so dürfte wohl nur menschliches
Fehlverhalten dafür verantwortlich sein.
Widernatürliche
Bewirtschaftungsformen (Monokultur und Kahlschlagbewirtschaftung statt Plenter-
und Femelkultur), sowie der Anbau standortfremder Gehölze (Picea abies, Larix
sp., Pinus sp., oder gar Pseudotsuga sp.) programmieren ökonomische Misserfolge
im Voraus, da forstliche Schädlinge (Ips typographus, Hylastes cunicularius,
Hylurgops palliatus, Dendroctonus micans, Polygraphus polygraphus, Pityogenes
chalcographus, Heterobasidion annosum, Armillaria sp. und viele andere) beste
Bedingungen vorfinden, und - zum Teil - epidemische Folgen zeigen. Die
lächerlichen Bekämpfungsmethoden in geschädigten Forsten (z. B. Walddüngung,
Borkenkäferfallen u. dgl.) sind kein Ersatz für naturnahe Waldwirtschaft.
Es bleibt die Erwartung,
dass die Forstwirte der Vulkaneifel die Warnzeichen der Natur (Wenzel 1985,
1986) erkennen, bzw. erkannt haben und die Waldwirtschaft in der Zukunft mehr
und mehr naturnah gestalten werden. Die Tendenz zum erhöhten Anbau von
Laubholzarten birgt beste Aussichten für die Erhaltung und Verbesserung des
Vulkaneifel-Waldes.
Nicht vergessen sei zuletzt
die Bedeutung unsrer Wälder als Werbeträger der Vulkaneifel, denn der
Fremdenverkehr ist längst ein primärer Wirtschaftsfaktor geworden. Nach Saxler
(Heimatjahrbuch Daun 1987) verbringen von Jahr zu Jahr immer mehr Gäste hier
ihren Urlaub, wobei die derzeitige Übernachtungszahl (1987) mit 2,5 Mio.
betitelt wird. Das Gebiet und seine Natur werden gut "verkauft" - eine
durchaus akzeptable Art und Weise, in und von seiner Heimat zu leben. Die
Annäherung der Waldwirtschaft an den gebietstypischen Waldbestand durch die
Forstbehörden ist also nur zu begrüßen.
Literatur:
Bauer,
E. 1978, Aus der Geschichte des Kondelwaldes. Jahrbuch des Kreises Daun,
1978:164-175.
Bibelriether,
H. 1982, Die Rache der Natur.
"natur", Heft 4:30-32.
-1983,
Wald und Naturschutz. In: "Rettet den Wald.", Heyne-Verlag, 3.
Auflage.
-1983,
Schutzwald - wogegen und wofür. In: "Rettet den Wald.", Heyne-Verlag,
3. Auflage.
-1983,
Erholung im Wald. In: "Rettet den Wald.", Heyne-Verlag, 3. Auflage.
Burschel,
P. 1983, Der Baum als Einzelwesen. In:
"Rettet den Wald.", Heyne-Verlag, 3. Auflage.
-1983,
Der Wald als Gesellschaft von Bäumen. In: "Rettet den Wald.",
Heyne-Verlag, 3. Auflage.
-1983,
Der Wald in seiner Umwelt. In: "Rettet den Wald.", Heyne-Verlag, 3.
Auflage.
-1983,
Der Waldbau. In: "Rettet den Wald.", Heyne-Verlag, 3. Auflage.
Forstamt
Salmwald 1987, Prospekt: 40 Jahre Rheinland-Pfalz: Ein Forstamt stellt sich vor.
Hofmeister,
H. 1983, Lebensraum Wald. Parey-Verlag,
2. Auflage.
Nachtigall,
W. 1986, Lebensräume.
BLV-Intensivführer.
Plochmann,
R. 1982, Das konzeptionslose Konzept.
In: "natur" 4:33-37.
-1983,
Mensch und Wald.
In: "Rettet den Wald.", Heyne-Verlag, 3. Auflage.
-1983,
Wald zwischen Ökologie und Ökonomie.
In: "Rettet den Wald.", Heyne-Verlag, 3. Auflage.
Schwind,
W. 1984, Aus der Forstgeschichte der
Vulkaneifel: die Waldstreunutzung. In: Heimatjahrbuch
Kreis Daun 1984:36-45.
-1985,
Ein Streifzug durch die Geologie, Waldstandortskunde und Forstgeschichte der
Vulkaneifel. In: Heimatjahrbuch Kreis Daun 1985:76-84.
Simon,
W. 1982, Wald ist mehr als die Summe
seiner Bäume. In: "natur" 11:70-76.
Stern,
H. 1983, Waldeslust - gestern, heute,
morgen. In: "Rettet den Wald.", Heyne-Verlag, 3. Auflage.
Wenzel,
I. 1975, Die Forstwirtschaft im Kreise
Daun. In: Heimatjahrbuch Kreis Daun, 1975:39-45.
-1985,
Der Wald in der Eifel ist krank. In: Heimatjahrbuch Kreis Daun 1985:117-120.
-1986,
Sturmkatastrophe im Eifelwald. In: Heimatjahrbuch Kreis Daun 1986:40-43.
Soweit
die damals zitierte Literatur. Nach der obigen Publikation (1987) erschien ein
weiterer lesenswerter Artikel in einem Heimatjahrbuch des Kreises Daun:
Manheller,
M. 1992, Der Eifelwald - ein Jahr nach
Vivian und Wiebke. Heimatjahrbuch 1992:177-181.
Nach "Vivian" und
"Wiebke" war die Schadensbilanz um das fünffache höher als bei der
von Wenzel 1986 beschriebenen Sturmkatastrophe. Folgende Bilanz wurde
aufgestellt:
|
Schadholzanfall:
Betroffene "Wald"-Fläche:
Kahlflächen:
Wirtschaftlicher Schaden:
Zuschuss des Landes R-P: |
ca. 1,2 Mio. Festmeter
ca. 3000 ha
ca. 50 ha
ca. 65 Mio. DM
ca. 6 Mio. DM an die
Waldbesitzer des Kreises Daun |
In dem zitierten Artikel
wird auch auf die Wiederaufforstung und auf die zu treffende Baumartenauswahl
eingegangen. Uns erscheint die Stellungnahme zur Baumartenauswahl
an dieser Stelle zitierenswert:
"Der Waldboden, seine
Nährstoff- und Wasserversorgung, die Höhenlage, die Neigungsrichtung und
eventuelle Bodenverdichtungen mit Staunässe sind entscheidende Faktoren, die
bei der Wahl der Baumart für die Wiederaufforstung zu beachten sind. Dabei gilt
der Grundsatz, dass den Bäumen, die von Natur aus auf den jeweiligen Standorten
heimisch waren, der Vorrang zu geben ist. Dies ist bei uns in erster Linie die
Buche. Auf trockeneren, wärmeren Standorten überwiegen Traubeneiche und
Hainbuche, in den frischen, nährstoffreichen und niederen Lagen sind es Eschen,
Bergahorne, Kirschen, Linden, Ulmen, Stieleichen und Erlen. Vor allem die
Schwarzerle vermag selbst stark vernässte und vergleyte Böden mit ihren
Wurzeln zu durchdringen und erreicht hier für viele andere Baumarten eine
Standortverbesserung.
Die Nadelbaumarten wie
Fichte, Lärche, Douglasie und die zahlreichen Tannenarten kommen von Natur aus
bei uns nicht vor. Dennoch gedeihen diese auf den geeigneten Standorten sehr gut
und liefern ein wertvolles und gut bezahltes Holz. Deshalb werden sie auch in
Zukunft auf den entsprechenden Waldböden angebaut.
Ziel ist es, durch die
Pflanzung verschiedener standortangepasster Baumarten langfristig stabile und
artenreiche Mischbestände aufzubauen, die sowohl den Rohstoff Holz liefern, als
auch alle Schutz- und Erholungsfunktionen wahrnehmen. Vor allem aber müssen sie
eine größere Stabilität gegen Naturkatastrophen besitzen."
Soweit
das Zitat aus dem Artikel von Herrn Manheller, den wir als bemerkenswert
hielten, weil er eine optimistische Prognose erlaubt. Immerhin
sollen standortfremde Nadelbäume nur noch auf "geeigneten" Böden
angebaut werden und langfristig werden "artenreiche Mischbestände"
angestrebt, was letztendlich die Abkehr von Monokulturen bedeutet. Nur:
dies ist die erfreuliche Forstpolitik in den Staatswäldern. Wir fragen: was ist mit den Privatforsten? Werden die Besitzer zum
Abholzen verpflichtet, wenn ihre (genehmigungsfreien) Weihnachtsbaumkulturen das
Alter von 10 Jahren überschritten haben?
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