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Arbeitsgemeinschaft Pilzkunde Vulkaneifel

Eine Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Gesellschaft für Mykologie

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Stillgelegte Gruben des Lava-, Basalt- und Kalkabbaues

Die geologischen Relikte aus der Vorzeit wie die devonischen Kalkmulden um Prüm, Gerolstein und Hillesheim, sowie quartäre und tertiäre Vulkanerscheinungen als Hügel und Kraterbildungen haben in der Vulkaneifel Bodenschätze hinterlassen, die schon immer - vor allem jedoch in der Nachkriegszeit - einen Abbau lohnend gemacht haben. Daraus entstand ein für diese strukturarme Region bedeutender Wirtschaftsfaktor: Durch die Entrichtung des Bruchzinses an die besitzenden Gemeinden stieg deren finanzieller Etat, und es wurden Arbeitsplätze geschaffen.

Diese intensiven Eingriffe veränderten das Landschaftsbild zum Teil erheblich. Nach Felten (1986) wird derzeit in nahezu 40 Gruben oder Brüchen intensiv abgebaut. In einer etwa gleich großen Anzahl größerer Aufschlüsse wurde der Abbau inzwischen beendet. Darüberhinaus besteht eine Vielzahl kleinerer stillgelegter Gruben.

Diese wurden lange Zeit - viel zu oft leider noch heute - als "Unland" angesehen, da eine landwirtschaftliche oder forstliche Nutzung wegen der ungenügenden Bodenqualität nicht möglich waren. Oftmals wurden sie als Mülldeponien missbraucht.

Doch viele dieser Aufschlüsse blieben nach der Stilllegung unberührt, und nach wenigen Jahren bereits entstanden daraus wertvolle Sekundär-Biotope. Zum Teil riesige Steilwände bilden im Lauf der Jahre eine seltene Gesteins- und Felsflora heran, und sind außerdem potentielle Brutplätze seltener Vogelarten.

Zusatz 2003: Auch sekundäre (erst durch menschliche Einwirkung bedingte) Feucht- und Trockenbiotope konnten in den stillgelegten Gruben zwischenzeitlich beobachtet werden. Solche Standorte werden wir zukünftig an dieser Stelle auch dokumentieren.

Eine Begehung stillgelegter Lavagruben Ende Mai 1987 erbrachte auch besondere Pilzfunde: Mit Inocybe subporospora (Sand-Rißpilz, dt. Namensvorschlag) gelang uns ein Erstfund für die Bundesrepublik. Diese Art war vorher nur von belgischen und niederländischen Sanddünen bekannt. Wir fanden sie in sämtlichen (!) untersuchten - unberührten - Lavagruben, welche seit einigen Jahren stillgelegt sind. Weitere seltene Pilzarten, zum Beispiel Thelephora caryophyllea, scheinen für dieses Sekundärbiotop standortstypisch zu sein. Auch seltene Moose, Flechten, einzelne Sukkulenten und Blütenpflanzen findet man in diesen alten Lavagruben.

Es liegt daher nahe, diese Gruben nicht nur als typischen Landschaftsbestandteil der Vulkaneifel, sondern auch als artenreiche Biotope, also aus naturschützerischen Erwägungen, zu erhalten, zu schützen und zu pflegen.

Die Nutzung der Gruben und Brüche als Deponien für Bauschutt und Erdaushub sollte in Zukunft unbedingt unterbleiben. Sogar kostenaufwändige Rekultivierungsmaßnahmen der abbaubetreibenden Firmen nach Beendigung des Abbaues durch Abdeckung, Einplanierung und Bepflanzung scheinen die natürliche Entwicklung standortstypischer Fauna, Flora und Funga eher zu hemmen.

Die Überlegung, alle Gruben und Brüche nach Beendigung des Abbaues als Naturdenkmale, oder zumindest als Natur- oder Landschaftsschutzgebiete auszuweisen, sollte von den zuständigen Behörden in Erwägung gezogen werden.

Der Schutz und die Erhaltung der stillgelegten Lavagruben, Basalt- und Kalkbrüche ist gleichzeitig Schutz und Erhaltung landschaftstypischer Bestandteile der Vulkaneifel und von seltenen Tieren, Pflanzen und Pilzen. Er sollte zukünftig eine gewisse Priorität genießen.

Zusatz 2003: Leider haben sich seit 1987 die negativen Einwirkungen auf diese Gebiete mit Genehmigung der Naturschutzbehörden (!) sehr wesentlich intensiviert.

 

Literatur:

AG Pilzkunde Vulkaneifel (mit G.J. Krieglsteiner, Kuyper, T.W.& H.-J.Stanek) 28.-29.5.1987 (uned.), Pilzfunde der Begehungen von stillgelegten Lavagruben und Basaltbrüchen der Vulkaneifel. Fundliste.

Dohm, B. 1976, Die geologischen Verhältnisse im Landkreis Daun in der Vulkaneifel.

Felten, H.-P. 1986, Bodenabbau in der zentralen Vulkaneifel. In: "Naturschutz in Rheinland-Pfalz" Heft 2.

Neuhaus, F.-J. 1987, Zur Bedeutung und Behandlung von Steinbrüchen als Sekundärbiotope. In: Die Naturstein-Industrie, Heft 6/1987.

 

 

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